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Erste Erfahrungen aus Brescia mit nieren-transplantierten Patienten

Brescia ist neben Bergamo das zweite Zentrum der Covid-19 Pandemie in Italien. Dort hat sich eine Einsatzgruppe speziell für nierenkranke Patienten gebildet. In einem Bericht haben sie ihre Erfahrungen mit der Versorgung und Unterbringung der an COVID-19 erkrankten Patienten zusammengefasst.

Eine wichtige Erkenntnis aus Brescia: Nierenkranke und damit auch Nierentransplantierte können besser versorgt werden, wenn sie nicht auf einer allgemeinen Intensivstation untergebracht werden, sondern auf einer für COVID-19 Patienten abgetrennten nephrologischen Station.

In Brescia wurden konkret die Fälle von 21 nierentransplantierten Patienten verfolgt, bei denen die Krankheit einen schweren bis todesbedrohlichen Verlauf nahm. Prof. Dr. Klemens Budde, Standortleiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie an der Charité Berlin, weist darauf hin, dass in dem Bericht aus Brescia genaue Angaben zu diesen Fällen fehlen. "In der Literatur und in den bisherigen Erfahrungen aus China sowie aus persönlichen Gesprächen mit Ärzten aus Parma, Barcelona, Frankreich, Wien und Madrid ist bisher keine Besonderheiten (also besonders häufig schlimme Verläufe) der Transplantierten gegenüber der Normalbevölkerung bekannt. In dem Bericht aus Brescia werden ja nicht die problemlosen asymptomatischen Patienten erfasst." Es scheint, als ob der Krankheitsverlauf bei transplantierten Patienten genau wie bei der Normalbevölkerung mehr von Vorerkrankungen und dem Alter bestimmt wird.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus China ist die bisher größte Fallserie zu Covid-19. Sie basiert auf 44.672 Fällen. Die Zahlen belegen, dass die Sterblichkeitsrate bei Patienten ab 70 Jahren am höchsten ist (8% in der Altersgruppe 70-79 und 14,8% in der Altersgruppe ≥80). Weitere Risikofaktoren sind Herzkreislauf-Erkrankungen (10,5%), Diabetes (7,3%), chronische Erkrankungen der Atemwege (6,3%), hoher Blutdruck (6%) und Krebs (5,6%). Dass eine oder mehrere dieser Erkrankungen bei nierenkranken und transplantierten Patienten nicht selten begleitend auftreten oder zu den Grunderkrankungen zählen, ist bekannt.

Prof. Dr. Klemens Budde berichtet von ersten Erfahrungen mit nierentransplantierten Covid-19 Fällen in Berlin: "Wir selber haben bisher 2 Patienten im CVK (Campus Virchow-Klinikum) stationär behandelt, die beide recht gut verlaufen sind, obwohl der eine Patient fast 80 Jahre ist." Es gibt noch nicht genug Daten, um klare Aussagen zu treffen, aber es gibt bisher keinen Grund von einem generell schweren Verlauf von COVID-19 bei Transplantierten auszugehen.

Schwierigkeiten bereitet in Brescia und den umliegenden Standorten zurzeit noch die Medikamentengabe bei chronisch nierenkranken Covid-19 Patienten in Abhängigkeit zur Restfunktion der Niere, und auch die Anpassung der Immunsuppression bei nierentransplantierten Covid-19 Patienten. Mehr Daten speziell zu nierenkranken Patienten sind nötig sind und sollen im weiteren Verlauf gesammelt werden.

 

 Hier können Sie die Originalveröffentlichung der MANAGEMENT OF PATIENTS ON DIALYSIS AND WITH KIDNEY TRANSPLANT DURING COVID-­19 CORONAVIRUS INFECTION lesen➜