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ESOT veranstaltete Webinar mit Experten und Transplantierten

Am 27.April 2020 hatte ESOT Interessierte und Betroffene eingeladen an einem Internet-Seminar teilzunehmen, Webinar genannt. ESOT steht für European Society of Organ Transplantation, die Schirmorganisation in Europa für Transplantationen.

Das Webinar war dreigeteilt: im ersten Teil berichteten Betroffene aus verschiedenen europäischen Ländern von ihren Problemen und Bedürfnissen in Zeiten der Pandemie. Im zweiten kamen Experten zu Wort und im dritten, sehr kurzen Teil konnten Teilnehmer Fragen stellen.

Besonders interessant war der Beitrag von Giuseppe Feltrin, Transplantationskoordinator der Region Veneto. Er erzählte, dass ihm die hohe Zahl von Neuzugängen auf Intensivstationen bis Ende März Sorgen machte, weil er negative Folgen für Transplantationen befürchtete. Das bewahrheitete sich dann auch. Es kam zu einem dramatischen Rückgang der Organspenden. Gleichzeitig ging auch die Zahl der potentiellen Spender zurück, weil deutlich weniger Fälle von Hirntod diagnostiziert wurden. Mitte März beruhigte sich dieser Abwärtstrend.

 

 

Mittlerweile steigen die Zahlen wieder leicht an. Die Erfahrungen aus Italien zeigen: Auch in einer Covid-19 Krisenregion sind Organspenden und Transplantationen möglich und sicher. Bisher wurde noch von keiner einzigen COVID-19 Übertragung von einem Spender auf den Empfänger berichtet. Selbst Nierentransplantationen von Lebendspendern finden wieder statt.

Das ist in anderen europäischen Ländern noch nicht möglich. Wojciech G. Polak, Chirurg aus Rotterdam und Vorsitzender von Elita (European liver and intestine transplant organisation) bestätigte, dass in fast allen Ländern Lebendspenden weiterhin ausgesetzt sind. Die Zahl der Spenden ist fast überall dramatisch gefallen. Sowohl in Spanien, dem Land mit dem höchsten Transplantationsaufkommen in Europa, als auch in den Niederlanden, einem Land mit durchschnittlicher Transplantationsrate, ist die Zahl der Transplantationen seit Beginn der Pandemie sehr stark gesunken. In diesen beiden Ländern gab es im Gegensatz zu Italien noch keine Trendwende, wahrscheinlich, weil die Infektionswelle dort später einsetzte. Das kann - auch was Transplantationen betrifft - Hoffnung für die zukünftige Entwicklung machen.

 

Positiv ist ebenfalls, dass von Elita gesammelte Zahlen aus ganz Europa nahelegen, dass mit COVID-19 infizierte Lebertransplantierte keinen schwereren Krankheitsverlauf haben als der Rest der Bevölkerung und auch nicht häufiger daran sterben als der Durchschnitt. Auf Nachfrage eines Teilnehmers am Ende des Webinars berichtet der Transplantationskoordinator Feltrin, dass in Italien eine landesweite Studie zu COVID-19 infizierten Transplantierten läuft. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass zwar eine höhere Infektionsgefahr besteht, es aber auch in Italien keine Indizien gibt, dass der Krankheitsverlauf anders als beim Durchschnitt wäre.

 

 

Experten und Betroffene sind sich am Ende einig, dass es sehr wichtig ist, Richtlinien und Empfehlungen für Transplantationen, das medizinische Personal und Transplantationspatienten zu erarbeiten. Der Informationsaustausch zwischen Experten und Transplantierten bleibt während der COVID-19 Pandemie eine zentrale und wichtige Aufgabe.

Geschrieben von Margit Eberlein.

 

Das komplette Webinar ansehen kann man hier ➜